
Neue Perspektiven stellen traditionelle Ansichten über Sucht als Krankheit in Frage
Neue wissenschaftliche Beweise und Perspektiven stellen die traditionelle Sichtweise auf Sucht als Krankheit in Frage und schlagen alternative Rahmenbedingungen für das Verständnis von Sucht vor
Key Points
- 1Neue Beweise stellen die Sichtweise auf Sucht als Krankheit in Frage
- 2Die Definition und Wahrnehmung von Sucht entwickeln sich weiter
- 3Der historische Kontext zeigt sich verändernde Ansichten über Sucht
- 4Neue Theorien deuten darauf hin, dass Sucht von Wahl und Umwelt beeinflusst wird
- 5Kritiker sprechen sich gegen die Medikalisierung der Sucht aus
Aktuelle Diskussionen im Bereich der Suchtforschung stellen den lang gehegten Glauben in Frage, dass Sucht eine Krankheit ist. Dieser Wandel wird durch neue wissenschaftliche Beweise und persönliche Erfahrungen vorangetrieben, die darauf hindeuten, dass Sucht möglicherweise nicht in das traditionelle medizinische Modell passt. Diese Debatte gewinnt unter Forschern an Fahrt, die argumentieren, dass Sucht besser durch alternative Rahmenbedingungen verstanden werden könnte
Der Begriff 'Sucht' hat seine Wurzeln im lateinischen Wort 'addictio-onis', was 'Urteil durch Satz' bedeutet. Traditionell definiert die Königliche Spanische Akademie Sucht als Abhängigkeit von schädlichen Substanzen oder Aktivitäten. Einige Experten, wie M.D. Griffiths, argumentieren jedoch, dass Sucht ein soziales Konstrukt ist, bei dem jede verstärkende Aktivität potenziell süchtig machend sein könnte, jedoch nur diejenigen, die als sozial inakzeptabel gelten, als solche bezeichnet werden
Historisch gesehen waren Substanzen, die heute als süchtig machend gelten, einst legal und weit verbreitet beworben. Kokain wurde beispielsweise 1904 aus Coca-Cola entfernt, und Heroin wurde als nicht abhängig machende Alternative zu Morphin vermarktet. Erst in den 1920er Jahren, beeinflusst durch Freuds Studien, begann man, Sucht als psychische Erkrankung zu betrachten. Diese Perspektive gewann an Schwung mit der Entdeckung der Opioidrezeptoren, die Sucht als ein multidimensionales Problem darstellt
Neue Theorien tauchen auf, die das Krankheitsmodell der Sucht in Frage stellen. Der Psychologe Eduardo J. Pedrero-Pérez hebt hervor, dass Sucht in den 1980er Jahren entweder als chronische psychische Erkrankung oder als maladaptives Verhalten angesehen wurde. Zusätzliche Theorien, wie Khantzian's Hypothese der Selbstmedikation, schlagen vor, dass Sucht ein operantes Verhalten ist, das durch Drogenkonsum verstärkt wird und auch auf nicht-substanzbezogene Süchte anwendbar ist
Die Medikalisierung der Sucht wurde von der Pharmaindustrie unterstützt, die sie als lukrativen Markt sieht. Alan Leshner vom National Institute on Drug Abuse beschrieb Sucht in einem Artikel aus dem Jahr 1997 in Science als chronische Gehirnerkrankung. Diese Sichtweise wird jedoch von einigen Psychologen und Psychiatern angefochten, was zu alternativen Klassifikationssystemen wie den Research Domain Criteria (RDoC) führt, die sich auf Verhaltensdimensionen und neurobiologische Maße konzentrieren
Kritiker des Krankheitsmodells, darunter Autoren wie Jeffrey A. Schaler und Gene M. Heyman, argumentieren, dass Sucht eine Wahl und kein Störung ist. Studien wie Bruce K. Alexanders 'Rat Park'-Experiment legen nahe, dass Sucht von der Umwelt und der Wahl beeinflusst wird, anstatt eine angeborene Gehirnerkrankung zu sein. Diese Erkenntnisse stellen die Vorstellung in Frage, dass Sucht eine lebenslange Krankheit ist, da viele Menschen ohne medizinische Intervention genesen
Die Debatte geht weiter mit Stimmen wie Marc Lewis, der argumentiert, dass Sucht nicht als Krankheit behandelt werden sollte. Seine Werke, "The Biology of Desire" und "Memoirs of an Addicted Brain", bieten persönliche und wissenschaftliche Einblicke, die die Notwendigkeit einer medizinischen Behandlung von Sucht in Frage stellen. Während immer mehr Beweise auftauchen, entwickelt sich das Gespräch über Sucht weiter und könnte potenziell die Art und Weise verändern, wie die Gesellschaft dieses komplexe Thema versteht und angeht